Avett Brothers – Wie eine Band ganz eigene Maßstäbe setzt
27 Aug
Ganz ehrlich, ich bin verliebt. Und auch 24 Stunden nach dem Konzert bin ich immer noch ganz hin und weg von den zwei Brüdern und ihrer Band. Ihr Auftritt in Hamburg fand gestern, den 25.8.2011, in der Fabrik statt. Es war mein erstes Konzert dort, bei einer Lesung von Heinz Strunk war ich vor ein paar Monaten allerdings schon einmal da, wusste also, was ich in etwa zu erwarten hatte. Ich hab es mir ganz gemütlich vorgestellt, in einem kleinen Kreis, ohne nervige Absperrungen, ohne noch nervigere Security. Wie ein gutes Folk-Rock Konzert eben sein muss und meine Erwartungen. Dass meine Erwartungen aber weitaus überschritten werden sollten, damit hatte ich nicht gerechnet.
Der Beginn war für 21Uhr angesetzt, was ich persönlich sehr spät finde. Da zusätzlich auch noch eine Vorband spielte, begannen die Avetts erst gegen 22Uhr. Kurz nach neun war ich da, um mir zumindest einen Eindruck von der (Berliner) Vorband “Charcoal Sunset” zu verschaffen. Die gingen allerdings schon um etwa 21:15 wieder von der Bühne. Wenn die wirklich um 21Uhr begonnen haben, war es ein wirklich sehr kurzer Auftritt. Das sollte mich allerdings nicht weiter stören, denn die Vorband war so unwichtig und durchschnittlich von den 2-3 Songs die ich mithören konnte. Wieder nur ein weiterer Beweis, dass meine Vorurteile gegenüber deutschen Bands völlig berechtigt sind.
Nach viel zu langem Warten kamen die Avett Brothers dann irgendwann gegen 10Uhr auf die Bühne. Gleich bei den ersten Songs war der Sound so grandios und die Band hat das Publikum vollkommen in den Bann gezogen. Ziemlich am Anfang spielten sie “Paranoia in B-Flat Major” und “Shame”, zwei meiner Lieblingssongs der Avett Brothers vom großartigen Album Emotionalism. Fast jeder Titel war tanzbar und wer sich nicht bewegte, mit dem stimmte irgendwas nicht. Sehr lustig war auch, wie ein Typ ständig headbangte, als gäbe es keinen Morgen. Ich dachte, soetwas sieht man nur auf Metal oder Hardrock Konzerten. Aber nein, man kann auch bei einem Folkrock Konzerts headbangen. Erkenntnis des Tages.
Mein persönliches Highlight war der Song Pretty girl from Annapolis mit einem Interlude des Tom Waits Klassiker “Fish & Bird”. Sehr schnell erschien am Abend auch gleich bei Youtube ein Video davon. Wirklich tausend Dank an die Person, die das hochgeladen hat. Der Moment war wirklich ohnegleichen.Sehr ärgerlich finde ich im Nachhinein, dass ich mir für Fotos einen sehr unglücklichen Platz gesucht habe. Ich hätte wirklich weitaus (!) bessere Bilder machen können. Und hätte ich gewusst, dass in der Fabrik nicht einmal die Taschen kontrolliert werden, hätte ich mir vielleicht sogar überlegt, meine DSLR mitzunehmen. Aber so konnte ich mich zumindest mehr auf die Band konzentrieren. Ähnlich wie bei Morrissey war es auch beim Avett Brothers Konzert so, dass die Lyrics sehr hervorstanden. Sie haben sehr deutlich gesungen und ich habe in manchen Songs Facetten erkannt, die ich vorher nie rausgehört habe. Die beiden Herren sind nicht nur unglaublich gute Musiker, sondern auch noch verdammt gute Songwriter.
Ich hatte im Vorfeld schon gehört, dass ihre Konzert sehr gut sein sollen, aber sie haben wirklich ganz neue Maßstäbe gesetzt. So viel Unterhaltung und Spaß hatte ich wirklich selten.
Von der Setlist her haben sie in etwa dieselben Songs gespielt, wie auf den vergangenen Konzerten in Berlin oder Köln. Am Tag zuvor in Amsterdam stand “If it’s the Beaches” auf der Liste. Den Song spielten sie leider nicht. Vielleicht ist es auch besser so, denn der Song hätte mich wirklich fertig gemacht, weil der so unfassbar schön ist. So viel Glück hab ich nicht, dass sie ihn ausgerechnet auch noch in Hamburg spielen. Vielleicht versuche ich es demnächst auch mit einem gebastelten Plakat mit dem Songnamen drauf und halte ihn hoch. Natürlich mit der Anmerkung, dass ich gerne ein Kind von einem der beiden hätte. Wo ich gerade über Kindermachen spreche, irgendwie hätte schon noch die ein oder andere Ballade zusätzlich dabei sein können. “10.000 Words” haben sie gespielt und “I & Love & You”. Aber “January Wedding” war auch noch dabei, wie mir gerade einfällt. Grandioser Song, wunderwunderschön. Generell stell ich mir “I would be sad” auch als guten Livesong vor, aber den haben sie nicht gespielt. Beim Blick auf die Setlist wird deutlich, dass es im Grunde aber absolut keinen Platz für offene Wünsche gab. Nichteinmal annähernd. Perfektion eines Konzertes sieht in etwa genau so aus. Und ich glaube egal mit welcher Stimmung man auf das Konzert gegangen ist, am Ende ging jeder glücklich mit einem Lächeln auf dem Gesicht aus der Fabrik.
Ich hatte einen wunderbaren Abend mit den Avett Brothers und als Liveband setzen sie wirklich komplett neue Maßstäbe. Es hat einfach absolut nichts gefehlt, es war rundum perfekt. Damit gehören die Avett Brothers jetzt offiziell zu meiner Liste von Bands, die ich immer und immer wieder live sehen würde und werde. Wann ist die nächste Tour?
Setlist:
01. Shame
02. Tin Man
03. Pretty Gril from Annapolis (Tom waits’ Fish & Bird interlude)
04. Head Full of Doubt, Road Full of Promise
05. Left on Laura, Left on Lisa
06. And it Spread
07. Blue Ridge Mountain Blues
08. Incomplete and Insecure
09. Paranoia
10. 10,000 Words
11. Living of Love
12. The Fall
13. Will You Return?
14. January Wedding
15. Go to Sleep
16. Kick Drum Heart
17. I and Love and You
Encore:
18. Never Been Alive
19.Down in the Valley






Was soll ich sagen. Es war großartig. Im Vorfeld gab es ja einige eher negativ angehauchte Berichte über die letzten Konzerte Morrissey. Er sagt ohne erfindlichen Grund Konzerte ab und zeigt sich in “Fuck morrissey-solo.com”-T-Shirts. Inklusive ewiges Konzertverbot für den Macher der Website, David Tseng. Die Logik hinter diesem Verhalten bleibt fragwürdig. Ich habe leider keine Vergleichsmöglichkeit zu früheren Morrissey Shows und kann – vielleicht gerade deshalb!? – nur sagen, dass es unglaublich war. Die Setlist war extrem gut, eine Mischung aus alten Smiths Songs und einem Best Of seiner Solo-Alben. Der Start war perfekt mit “I want the one I can’t have” und “You’re the one for me, fatty”. Mit den neuen Songs wie “People are the same everywhere” oder “Action is my middle name” kann ich irgendwie noch nicht so viel anfangen. Aber “Meat is murder” war auch noch nie mein Favorit. Dafür waren Titel 11 bis 14 umso besser und die beiden letzten Songs (inkl. Zugabe) sowieso. Ich hatte selten so viel Spaß auf einem Konzert. Was unter anderem auch an der ständigen Situationskomik lag. Die Fans agierten, riefen, schrieen, warfen Blumen auf die Bühne. Morrissey reagierte hauptsächlich mit Mimik und Gestik. Ich weiß wie gesagt nicht, ob er sonst auch so auf Konzerten ist. Manchmal machte er einen sehr distanzierten Eindruck, auf der anderen Seite habe ich aber bisher kaum einen Künstler gesehen, der sich so mit dem Publikum beschäftigt. Ich habe aber auch selten gesehen, wie das Publikum so mit dem Künstler agierte. Für einige scheint Morrissey der ÜBER-Gott zu sein. Kurz vorm Schluss sprangen einige über die Absperrung vor der Bühne, nur um versuchen, seine Hand zu greifen. Und sie hatten sogar Glück und Morrissey griff ebenfalls nach ihnen. Irgendetwas war ganz besonders an diesem Abend. Vielleicht war es Morrissey und vielleicht ist diese Magie auf jedem Morrissey Konzert. Ich hoffe sehr, dass dieses gestern nicht mein letztes war und ich noch oft die Gelegenheit haben werde, ihn live sehen zu können. Jedenfalls kann ich den Hype um seine Person sehr gut verstehen.

























Tut mir Leid, dass ich die ganze Zeit nur über John Paul Jones rede, aber der Typ hat mich einfach fasziniert!























Fast pünktlich um 20 Uhr trat die Support-Künstlerin Alin Coen auf die Bühne. Ich erwartete eigentlich Reggie Watts, der Regina Spektor bereits einige Tage zuvor in Köln begleitete. Deshalb war ich eher erstaunt, diese junge Dame zu sehen. Sie begann ihren Auftritt mit einer herzlichen Begrüßung des Publikums und deutschsprachigen Liedern. Eigentlich bin ich ja nicht so der Fan deutscher Musik, aber diese Künstlerin fand ich wirklich sehr gut! Vor allem weil sie mit ihrem Charme und ihrer offenen ehrlichen Art beim Publikum punkten konnte. Vor jedem Lied gab sie eine kleine Erklärung zum Song bzw. zum Liedtext ab, sodass man sich als Zuhörer sehr gut in die unbekannten Songs hineinversetzen konnte. Im Laufe ihres halbstündigen Auftritts spielte sie auch einige englischsprachige Lieder, was mir richtig gut gefiel. Ihr Musikstil ist typisch Singer-Songwriter. Also viel Gitarre, viel Text, viel Emotion. Mit ihrer Stimme klang jeder Song wie ein Gedicht. Zum Regina Spektor Publikum hat Alin Coen perfekt gepasst und mich jedenfalls in die richtige Stimmung für den Rest des Konzerts gebracht.
21:15, nach ganzen 45 Minuten Warterei (warum auch immer), betrat die bezaubernde Regina Spektor die Bühne. Als erstes fiel mir auf, wie klein und zierlich sie wirkte. Wie ein kleines Mädchen grinste sie unschuldig ins Publikum und begrüßte es. Sogleich setzte sie sich an ihr Piano und begann zu spielen. Zu meiner Verwunderung waren die ersten beiden Songs auch die meiner Meinung nach besten des neuen Albums – “The Calculation” und “Eet”. Zusammen mit dem dritten Titel “On the Radio” sorgten sie zwar gleich für eine tolle Stimmung, aber ich hätte sie mir doch lieber mittig gewünscht und eigentlich auch so erwartet.
Nach 17 Songs verließ sie mit ihrer Band die Bühne, um danach vier weitere Zugaben zu spielen. Als erstes spielte sie Samson, der Song, auf den ich am meisten gewartet habe. Ich denke nicht nur mir wurde dabei warm ums Herz. Es ist schon ein Erlebnis, diesen Song live zu hören. Einfach nur wunderschön.










Die kanadische Band “The World Provider” war allerdings alles andere als unterhaltsam. Mit einer gewissen homoerotischen Ausstrahlung und Outfits im Krankenschweter-Charme versuchten sie vergeblich das Publikum für sich zu gewinnen. Die Musik hatte für mich einen sehr undefinierbaren Stil, wer interessiert ist, kann sich auf bspw. last.fm mal einige Songs zu Gemüte führen – was ich persönlich nicht empfehlen kann. Der komplette Auftritt war für mich sehr verstörend, was seinen traurigen Höhepunkt erlangte, als sich beide Künstler von ihren Krankenpfleger-Outfits trennten (sich quasi die Kleider vom Leib rissen) und dadrunter ein spaciger Disco-Fummel zum Vorschein kam. Vor allem der junge Herr machte einen sehr bizarren Eindruck auf mich, der sich aber zugegebener Maßen gut mit seinem Gesang ergänzte. Von seinem entblößten Nippel mal ganz abgesehen …. Nicht nur ich schien erleichtert, als er ihren letzten Song ankündigte. Rückblickend muss ich wohl sagen, dass es mitunter die schlechteste (Vor-)Band ist, die ich je live gesehen hab (und ich hab sogar schon Bosse gesehen – also das will was heißen!).
Nach einer minimalen Umpaupause gings auch schon weiter mit Drums of Death, einem Londoner Künstler und quasi-DJ; in Zusammenhang mit Peaches vor allem durch sein
Einige Zeit später betrat dann endlich Peaches die Bühne in einem Outfit, das entfernt wirklich an eine Frucht erinnerte – in pink. Eines von etwa insgesamt 8 Outfits, die sie an diesem Abend trug. Den Beginn machte sie gleich mit Songs vom neuen Album und mir kam es so vor, ale hätte sie generell mehr neue als alte Songs gespielt. Im Anbetracht der Setlist waren es aber genau 11 alte und 11 neue Songs. Fairer Ausgleich also. Damit spielte sie am Abend also fast das komplette Album durch. Leider nur fast, da gerade eines meiner Favoriten, nämlich “Billionaire”, auf der Setlist komplett fehlte. Schade.


































